Braucht’s das? Die Wahrheit über die „Selfie-Points“!

Sind sie auch sauer wegen dieser irren Entscheidungen im Stadtrat? Sie flippen fast aus vor Ärger wegen der geplanten „Sefie-Points“? Sie finden auch, dass hier viel zu viel Geld zum Fenster herausgeschmissen wird? Dann interessiert Sie vielleicht die Wahrheit hinter der ganzen Aufregung.

Skizze eines Selfie Points für die Amberger Altstadt.

Wie geht es unserer Innenstadt?

Im Moment läuft es in der Amberger Innenstadt ziemlich gut: Viele Leute sind unterwegs, die Wirtschaften und Kneipen sind oft voll, zu Veranstaltungen kommen Besucher aus der ganzen Oberpfalz oder aus dem Nürnberger Raum, es werden Häuser saniert.

Wahr ist aber auch: Jedes Jahr schließen Geschäfte zu. Kneipen geben auf. Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist nicht gut. Wohnen in der Innenstadt können sich viele gar nicht leisten.

Amberg braucht eine funktionierende Innenstadt, eine lebendige Innenstadt.

Was bringt die Innenstadt-Million?

Deswegen hat die CSU die „Innenstadt-Million“ auf den Weg gebracht. Die Idee: Nicht jahrelang an einem Konzept schreiben und darüber streiten, sondern lieber möglichst viele Ideen ausprobieren und umsetzen.

Wir wollen durch diese Maßnahmen Ambergs Innenstadt lebendig halten.

Wir haben damit auch eine neue Form der Bürgerbeteiligung getestet. Die Bürgerinnen und Bürger haben viele Ideen, was man verbessern kann. Stadtrat und Verwaltung wissen, was wie umgesetzt werden kann und woher das Geld dafür kommt.

Welche Ideen werden umgesetzt?

240 Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern sind eingegangen. Die Verwaltung hat diese Ideen gesichtet, der Stadtrat hat darüber diskutiert und versucht, einen guten Mix zu finden.

Am Ende haben wir viele Maßnahmen ausgewählt, die umgesetzt werden: mehrere (integrative) Spielgeräte in der Fußgängerzone, weitere Bänke, eine Lufttankstelle/Fahrrad-Reparaturstele, eine Fahrradschiebehilfe bei der Treppe von St. Martin, weitere Radständer, weitere Weihnachtsbeleuchtung, einige Digitale Displays, einen integrativen Spielplatz im Stadtgraben, ein Sonnensegel im Maltesergarten für die Konzerte, die Instandsetzung des Pavillons im englischen Garten, Wasserspender im öffentlichen Raum, sieben Sitzelemente mit Begrünung,  Baumpflanzung auf den Salzstadelplatz.

Und auch der Punkt „Selfie-Points“ wurde von uns ausgewählt.

Was ist ein Selfie-Point?

Heutzutage wird sehr viel fotografiert und in Sozialen Netzwerken geteilt: was jemand isst (#soederisst), was man anzieht, wo man sich gerade befindet.

Selfie Points weisen auf besonders schöne oder populäre Motive in einem Ort hin. Sie laden dazu ein, sich dort zu fotografieren und das Bild mit der Welt zu teilen.

Selfie Points sind für Städte eine von vielen Maßnahmen in der Tourismus-Werbung. Andere werden schon allein durch das Bild darauf hingewiesen, wo sich die Fotografin oder der Fotograf aufhält: in Amberg.

Woher kam die Idee?

Am 02. September 2023 hat eine Bürgerin am CSU-Infostand den Vorschlag gemacht, wir haben ihn an die Verwaltung weitergegeben: „Für Touris und Amberg-Liebhaber soll ein Amberg-Schriftzug, vielleicht auch kombiniert mit einer Silhouette/Stadtansicht, aufgestellt werden.“

Was war der ursprüngliche Vorschlag der CSU?

Die CSU-Stadtratsfraktion dachte über neue, besondere Kunst- oder Spielobjekte nach.

Zitat aus dem CSU-Antrag: „3D-Modelle als Stadtpläne / Amberger Ei als benutzbares Kunstwerk: Kunstobjekte, die man berühren darf und die noch eine sinnvolle Information vermitteln. Z.B. klassische 3D-Modelle der Stadt für blinde Mitbürger:innen. Oder ein aufgerichtetes und drehbares „Ei“ aus Stahl, bei dem die Straßen ausgefräst sind, so dass man mit Spielsteinen die Wege abfahren kann (vgl. Kinderspielzeug).“ 

Wie kamen Kunstobjekte und Selfie Points zusammen?

Über Kunstobjekte kann man immer lange diskutieren: Der einen gefallen sie, der andere findet sie hässlich. An einem Standort ist zu wenig Platz, am anderen gehen Objekte unter. Welche Kosten entstehen? Welche Künstlerin wird wie ausgewählt?

Weil es so viele offene Fragen gab, haben wir die Punkte zusammengefasst, damit die Verwaltung mit ihrem Fachwissen die Idee weiterentwickeln und beurteilen konnte. In beiden Fällen geht es darum, für Besucher unserer Stadt einen Hingucker zu liefern.

Zitat aus unserem Antrag:

Selfie-Point: beispielsweise Amberg-Schriftzug oder Silhouette, Amberger Ei in 3D als Spielwand-Labyrinth oder Luftkunst-Amberg.

Es ging also um eine oder mehrere Maßnahmen. Weil noch nicht klar war, was es am Ende werden würde, haben wir 50.000 Euro vorgesehen.

Was sagen die Tourismus-Fachleute dazu?

Das Team der Touri-Info schreibt in einer Beschlussvorlage für den Stadtrat:

„Die Stadt Amberg bietet viele interessante Fotomotive, u.a. die Stadtbrille, Martinskirche, Mariahilfberg, die Stadtmauer, etc. Dennoch bietet die Errichtung von Selfie-Points eine Möglichkeit, über die sozialen Medien in einem größeren Maß auf die Stadt Amberg aufmerksam zu machen.

Die Amberger Selfie-Points dürfen jedoch nicht kitschig sein und müssen zur historischen Altstadt passen. Mit ihnen soll die Schönheit der Stadt in einer neuen Perspektive gezeigt werden.

In einer sehr konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Sachgebieten Denkmalschutz, Grünplanung und dem Amt für Tourismusförderung wurden die Selfie-Points passend zu den regionalen Bedingungen entwickelt und alle Standorte hinsichtlich ihrer Eignung (baulich, denkmalschutzrechtlich und touristisch) überprüft.“

Wie sollen die Amberger Selfie Points aussehen?

„Das zentrale Element ist ein Rahmen aus Metall, der unvergessliche Erinnerungen einfängt und flexibel an verschiedene Standorte angepasst wird. Die Silhouette der Stadt Amberg am unteren Ende wird als Negativ ausgefräst und präsentiert die charakteristischen Wahrzeichen von Amberg.

Die markanten Hashtags im oberen Bereich des Rahmens können je nach Standort variieren und links, mittig oder rechts platziert werden. Im Nachgang können so auch statistische Auswertungen zu den einzelnen Standorten vorgenommen werden.

Es sollen zwei Varianten umgesetzt werden: ein großes Element mit einer Holzsitzbank (1 Standort) und ein Aufstellelement mit schwenkbarem Rahmen (3 Standorte). Die schwenkbaren Rahmen werden durch Radiusbegrenzer und einer erschwerten Übersetzung so gebaut, dass eine Verletzungsgefahr ausgeschlossen werden kann.

Die Selfie-Points sollen sowohl Einheimische als auch Besucher einladen, die Schönheiten der Stadt festzuhalten und durch einen Perspektivwechsel neu zu erleben.“

Ein drehbarer Rahmen sorgt für die richtige Einstellung.
Im Rahmen gibt es ein #-Element und einige ausgewählte Bauwerke zu sehen.

Was hat der Stadtrat entschieden?

Am 17.07.2023 stimmte der Stadtrat mit 22 Ja (CSU, ÖDP und „Amberger Bunt“) und 17 Nein-Stimmen dem Antrag der CSU-Fraktion zur Innenstadt-Million zu. Hier ging es um die Bürgerbeteiligung und die Gesamtsumme.

In der Sitzung des Hauptverwaltungs- und Finanzausschusses am 09.11.2023 wurde der Punkt „Selfie-Point z.B. Amberger Schriftzug oder „Amberger Ei““ mit 9:0, also EINSTIMMIG verabschiedet.

Der Haushalt mit den verschiedenen Maßnahmen, also auch dem Selfie Point, wurde EINSTIMMIG im Stadtrat verabschiedet.

Wird zu viel Geld für die Selfie Points ausgegeben?

Die CSU meint: Nein.

Natürlich sind 50.000 Euro viel Geld. Aber wenn man bedenkt, dass damit vier Standorte umgesetzt werden und dass vor allem die Fundamente auch teuer sind, relativiert sich das.

Für die Weihnachtsbeleuchtung sind es auch 50.000 Euro, für Spielgeräte 80.000 Euro, für Bänke 20.000 Euro, für Bäume 300.000 Euro.

Insgesamt werden Maßnahmen in Höhe von 1.000.000 Euro für die Innenstadt umgesetzt. Für die Selfie Points sind also fünf Prozent davon vorgesehen.

Das Gesamtvolumen des Investitionshaushalts beträgt 37.573.300 Euro. Die Maßnahmen entsprechen also 0,13 Prozent des Investitionsvolumens.

Wir wollen unseren Tourismus stärken und mehr Gäste nach Amberg locken. Da sind die Selfie Points eine kleine Maßnahme. Wir glauben, dass es sich lohnt, diese Werbemaßnahme auszuprobieren.

Eine Erfolgsgarantie gibt es nie. Aber wer nichts ausprobiert, hat mit Sicherheit keinen Erfolg.

Wie geht es weiter?

An vier Standorten werden die Selfie Points aufgestellt. Nach einem Jahr wird bewertet, wie die Maßnahme funktioniert, ob die Standorte richtig sind. Dann wird entschieden, ob man andere Standorte wählt oder wie man die Idee weiterentwickelt.

Waren nicht viele bei der Umfrage gegen die Selfie Points?

Nein.

Es gab auf der Beteiligungsplattform mitmachen.amberg.de eine Umfrage zu den Standorten der Selfie Points. Es wurden 24 negative Kommentare dazu abgegeben.

Aber Achtung: Die Umfrage fand praktisch keine Beachtung – leider. Sie endete zum 25.09.2023.

Kurz vor Ablauf der Frist, am 24.09.2024 schrieb die „IG Menschengerechte Stadt“ eine Mail mit folgendem Inhalt: „NEIN zur Verschwendung von 50.000 Euro der Stadt für den überflüssigen Selfipoint. Liebe Mitglieder, heute läuft die Online-Teilnahme zur Bewertung bzw. Pro und Contra für Selfipoints in Amberg ab. Der Vorstand meint, dass das dafür aufzuwendende Geld, das sind 50.000 € sinnvoller verwendet werden kann. Wir werden das entsprechend kommentieren. Soweit von Euch jemand persönlich, im eigenen Namen kommentieren möchte, sollte das noch heute tun.“

Genau das ist dann auch geschehen: Von den insgesamt 24 Kommentaren stammen 22 Kommentare vom 24.09.2024. Zwölf Personen sind erst am 24.09. der Plattform beigetreten. Die meisten Kommentare (92%) wurden innerhalb weniger Stunden kurz vor Ende der Beteiligungsfrist abgegeben.

Die Wahrheit ist: Es handelt sich keineswegs um die repräsentative Meinungsäußerung der Bürgerinnen und Bürger, sondern aus unserer Sicht um einen Missbrauch dieses Instruments der Bürgerbeteiligung. Eine kleine Gruppe wollte wohl ihre Meinung bedeutender aussehen lassen, als sie ist. Das ist ihr gelungen, weil sie im letzten Augenblick mehrere sehr einseitige Kommentare organisiert hat.

Anhand der Sachlage kann man sich selbst die Frage beantworten, ob es sich um eine gezielte Aktion zum Missbrauch der Bürgerbeteiligung handelt, um ein einseitiges Bild zu vermitteln oder ob es sich um ein realistisches Meinungsbild handelt, das zufällig innerhalb weniger Stunden zustande gekommen ist.

Übrigens: Stadtmarktingpreis 2024

Die „Innenstadt-Million“ wurde mit dem Sonderpreis des Stadtmarktingpreises 2024 ausgezeichnet!

In der Jurybegründung heißt es über den Sieger aus Amberg wie folgt: „Über das Konzept eines Bürgerhaushalts erleben die Beteiligten, dass ihre Meinung und Vorschläge gehört und auch umgesetzt werden. Das ist gerade in der heutigen Zeit von großer Bedeutung, da es das Vertrauen in die Politik, die Demokratie, die Gemeinschaft und letztlich auch in die Zukunft der eigenen Stadt, der eigenen Gemeinde als gewählten Lebensort stärkt. Die Bereitstellung von einer Million Euro für Ideen aus der Bürgerschaft seitens der Kommune ist ein starkes, vorbildliches Zeichen und zeigt: Unsere Innenstadt ist uns etwas wert.“ Dies sei in der Summe „vorbildliche, aktiv gelebte Teilhabe, die angenommen werde“, so das Urteil der Jurorinnen und Juroren.

MEHR DAZU auf der Seite der Stadt Amberg oder beim Bayerischen Wirtschaftsministerium.

01.11.2024 | Matthias Schöberl | Kategorie(n): Altstadt, Finanzen

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